Informationen zum neuartigen COVID-19 / Coronavirus

Sehr geehrte Patienten!

Ich beende heute meinen Coronablog. Seit Anfang März aktualisiere ich diesen Blog regelmäßig und versuche damit den Veränderungen der Situation gerecht zu werden. Viel ist seither passiert. Die unmittelbaren Auswirkungen auf unseren Praxisbetrieb sind enorm, da wir sehr flexibel auf neue Verordnungen, Ausnahmeregelungen und zuletzt auch die Kontaktsperre reagieren mussten. Eine für alle Beteiligte gute Verordnung, Krankschreibungen für leicht erkältete Patienten per Telefon bzw. Email bis zu 14 Tage zu ermöglichen, wurde am Freitagnachmittag, den 17.4.2020 von den Krankenkassen mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Niemand hat mit den Ärzten über diese Entscheidung geredet, wir müssen bereits ab dem 20.4.2020 darauf reagieren und wieder einmal unsere Sprechstunde umstrukturieren. Lesen Sie bitte hier unsere aktuellen Praxisabläufe inklusive der Behandlung von Patienten mit  Erkältungen oder akuten Atemwegserkrankungen.

Nach Einschätzung der Gesundheitsbehörden befinden wir uns weiterhin inmitten einer Pandemie. Zum ersten Mal haben jedoch die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus Früchte getragen. Die Zahl der Ansteckungen stagniert, die Reproduktionsrate liegt im Moment bei 0,7, dies bedeutet, 1 Infizierter steckt im Moment weniger als einen weiteren Menschen an. Ziel aller weiteren Maßnahmen ist es, die Ausbreitung des Virus konstant zu halten. Besonderen Schutz benötigen ältere Menschen ab dem 70. Lebensjahr mit Vorerkrankungen. Die Inkubationszeit, sprich die Zeit zwischen Ansteckung und Krankheitsausbruch, beträgt bis zu 14 Tagen. In dieser Zeit kann auch ein nicht symptomatischer aber infizierter Mensch die Krankheit an andere Menschen weiter übertragen. Die größte Gefahr geht jedoch von infizierten und symptomatischen Patienten aus, da sie wesentlich ansteckender sein können. Bei ungefähr 4 von 5 Patienten verläuft diese Erkrankung mit harmlosen oder milden Symptomen wie Fieber, Halsschmerzen und Schnupfen, teilweise sogar gänzlich ohne Symptomatik. Kinder scheinen immun für einen komplizierten Verlauf zu sein und sind nach neuen Erkenntnissen auch weniger ansteckend.

Ich bitte um Verständnis, wenn dieser Blog immer nur den momentanen Erkenntnisstand widerspiegelte und dadurch frühere meiner Aussagen durch mich immer wieder relativiert oder verschärft wurden. Es handelt sich bei der neuartigen Viruserkrankung trotz aller beunruhigenden Nachrichten um eine meist harmlos verlaufende Krankheit. Beispielsweise sind die meisten der bis heute registrierten mehr als 80000 Erkrankungen in China bereits wieder ausgeheilt, die Todesrate ist auf Grund der nichtgemeldeten und nicht bemerkten stillen oder harmlosen Verläufe der Infektion künstlich zu hoch. Es wird davon ausgegangen, würde man hypothetisch alle Menschen testen können, dass die Zahl der Infizierten 10-100x höher liegen könnte. Leider ist dies jedoch technisch kaum möglich, bis auf Südkorea und in Singapore gibt es nirgendwo flächendeckende Tests auch für scheinbar gesunde Menschen. In China wurde die Ausbreitung durch restriktive Maßnahmen seit 3 Wochen gebremst, die Chance einer weiteren Durchseuchung in kurzer Zeit scheint im Moment dort gebannt zu sein. Dies haben wir in Deutschland und Europa auch fast erreicht. Bevor jedoch ein geeigneter Impfschutz zur Verfügung steht oder ein Medikament  schlimme Verläufe verhindern kann und damit  für mehr Sicherheit sorgen wird, werden wir alle weiter mit Einschränkungen leben müssen. Gefährlich sind unkontrollierte Verläufe der Pandemie, die dann zu einer hohen Durchseuchung und dementsprechend auch zu mehr Todesfällen führten bzw.  führen werden, wie wir leider in Italien, Spanien und auch in England und den USA sehen müssen bzw. mussten. In Deutschland gibt es mit dem heutigen Tag mehr als 140.000 gemeldete Fälle, dies sind 2,3 mal so viele Fälle wie noch vor 3 Wochen. Die Verdopplung der Fälle geschieht in Deutschland momentan ungefähr nach 14-16 Tagen. Dies sind gute Nachrichten! Offensichtlich ist der Scheitelpunkt der Ausbreitung erreicht. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung ist das Risiko, an dieser Infektion schwer zu erkranken,  verschwindend gering, steigt aber leider mit zunehmendem Alter und Anzahl der Vorerkrankungen. Im Vordergrund aller Maßnahmen steht die Verhinderung bzw. Verzögerung der Ausbreitung der Erkrankung, um vor allem Risikopatienten vor möglichen Komplikationen zu schützen und die Kapazitätsgrenzen der Gesundheits-einrichtungen für die Behandlung von schwer Erkrankten nicht zu sprengen.

Ab sofort ist die Behandlung von Atemwegsinfekten mit oder ohne Corona-Verdacht in unserer Praxis möglich. Dies geschieht jedoch ausnahmslos mit Voranmeldung. Die Testung auf das Corona-Virus mittels Abstrich bei Indikation ist kostenfrei und wird bei der Behandlung angeboten und sofort durchgeführt. Die Behandlung von Corona-positiv getesteten Patienten mit wenig Symptomen besteht in der sozialen Isolierung zu Hause mit Therapie der einzelnen Begleitsymptome. Bei schweren Verläufen erfolgt die Einweisung in eine Klinik, sollte die ambulante Behandlung nicht ausreichen.

Ein Test in Form eines Abstriches auf das Virus in unserer Praxis zur Vorsorge bzw. ohne konkreten Anlass ist ab sofort uneingeschränkt möglich, jedoch zunächst bei Kassenpatienten als Selbstzahlerleistung. Trotzdem entscheidet ein Arzt unserer Praxis zunächst, ob und wann dieser Test durchgeführt wird, um einen Sturm auf unsere Praxis zu verhindern.

Zuletzt möchte ich noch zur Antikörpertestung mittels Blutentnahme Stellung beziehen. Nach bisherigem Kenntnisstand ist die Testung nicht aussagekräftig genug, um sie für die Suche nach unerkannt Infizierten bzw. zur Klärung einer durchgemachten Infektion heranzuziehen. Die Antikörperbildung scheint verzögert bzw. bei Patienten mit positivem Abstrich nicht nachweisbar zu sein. Daher rate ich im Moment von der Antikörpertestung zum Screenings ab. 

Bitte informieren Sie sich abschliessend auf den aktuellen Seiten des Robert-Koch-Institutes.

Wir bedanken uns bei allen Patienten für Ihr Interesse an diesem Blog und Ihr Verständnis für die ständig sich ändernden Behandlungsumstände in unserer Praxis. Wir sehen uns hoffentlich gesund wieder, kommen Sie alle gut durch diese schwierige Zeit!

Ihr Alexander Mach